1. Lebensjahrzehnt: 1960 bis 1970
Kindheit in der hohenzollerischen Kleinstadt Sigmaringen an der Donau. Vater Landesbeamter, Mutter Hausfrau, nach drei Jahren kommt die Schwester dazu. Der Bub lernt kein schwäbisch, in der Schule war hochdeutsch Pflicht, die Prügelstrafe gab es in der Grundschule auch noch. In bleibender Erinnerung der „Rulaman“. Erste Erzählerfahrung: als ich eine Hausaufgabe vergessen hatte, „las“ ich meinen kleinen Aufsatz von einem leeren Blatt ab und keiner hat's gemerkt. Der nahe Wald wurde vertrauter Freizeitort. Viele Speere geschnitzt.
2. Lebensjahrzehnt: 1970 bis 1980
Neue Lehrer erhält das Land. Die ersten „68er“ an der Penne, die sich mit „13ern“ duzen! Kehrseite 1974: Sympathisanten der RAF beschmieren die Schule. 1976 Ende der Kindheit: populärwissenschaftliche Version des Meadows-Bericht über „die Grenzen des Wachstums“ gelesen. Harte Pubertätskonflikte zu Hause. Umzug nach Ravensburg. Neue Umgebung bringt neue Freunde. Konflikte bleiben. Sehnsucht nach „Anders leben“ und dem Kennenlernen alternativer Lebensformen. Dabei fast das Abitur riskiert.
3. Lebensjahrzehnt: 1980 bis 1990
Leben zwischen den „Fronten“ und für drei Friedensbewegungen. Vier Jahre Zeitsoldat in Donauwörth bei einer Spezialtruppe, die mich reizt, weil ich dort Russisch lernen kann. Am Ende bin ich dort Sprachlehrer, wo ich angefangen habe. In meiner Freizeit bin ich bei der Friedensbewegung, die gegen Pershings demonstriert und am Ende auch noch bei den Nachrüstungsgegnern innerhalb der Bundeswehr des „Darmstädter Signals“. Mein Antrag auf Verlängerung wird abgelehnt – formal aus gesundheitlichen Gründen. Überstürzt Aufnahme eines Studiums in Eichstätt, weil die junge katholische Universität noch keine Einschreibefrist kennt. Fächer: Politikwissenschaft, Soziologie, Pädagogik und Philosophie, roten Faden: anthropologische und gesellschaftlich-ethische Fragen. Besonderes Interesse an der Perestroika-Politik Gorbatschows. Einzigartige Entfaltungsmöglichkeiten als Student, prägende Dozenten, wunderbarer Lern- und Lebensort; trotzdem immer wieder auch Zeiten innerer Zerrissenheit.
4. Lebensjahrzehnt: 1990 bis 2000
Statt Friedenspädagogik winkt die journalistische Zeitungslaufbahn, noch stärker der „wilde Osten“ und „Wir in Leipzig“. Traum endet jäh, aufgewacht im Münsterland. Neustart in jeder Hinsicht. Redakteurslaufbahn bei einem Wochenblatt. Anstrengend, schön, unterbezahlt. Wichtige Berufs- und Lebenserfahrungen im Kreis Steinfurt. Endlich Autofahren gelernt. Wechsel nach Stuttgart führt zum Ende der Redakteurslaufbahn, aber auch zum privaten Glück. Neustart als Öffentlichkeitsarbeiter für die „Tagesordnung für das 21. Jahrhundert“, kurz Lokale Agenda 21, die in Stuttgart unter den Konservativen leider keine Freunde findet. Deshalb Büro ja, Stelle nein, die Freiberuflichkeit beginnt unfreiwillig. Statt Job viel ehrenamtliches Engagement im Stadtteil.
5. Lebensjahrzehnt: 2000 bis 2010
Neue Perspektiven durch Vorträge und Organisation von Auftaktveranstaltungen im ganzen Land. Parallel Einstieg beim „Bürgerschaftlichen Engagement“, das vom Sozialministerium gefördert wird. Erste Erfahrungen als Trainer und später als Stadtteilmanager in Karlsruhe und Stuttgart. Geburt der einzigen Tochter erzwingt berufliche Pause und Neuorientierung. 2005 Grundkurs „Erzählen lernen“ wird zum Start zu einer neuen Karriere. Ende offen.